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Bewusstwerdung

Bei anderen erkennen wir doch sehr schnell, ob sich jemand gut oder schlecht verhält. Ganz einfach ausgedrückt. Eigenschaften wie Wertelosigkeit, Grausamkeit, Gier, Hass und Unbewusstsein werden sehr leicht erkannt, wenn es sich um fremde Länder, andere Familien oder andere Menschen handelt. Das müsste eigentlich bedeuten, dass ein gewisses Gefühl für das, was gut und schlecht ist, im Menschen vorhanden ist. Jetzt kommt aber das Spannende, warum tun wir uns denn so schwer, wenn es darum geht, bei uns selbst zu fühlen, was für uns gut und schlecht ist? Ich denke, es hat mit Bewusstsein und Bewusstwerdung zu tun. Ursachen dafür liegen meistens in der Art und Weise, wie wir leben und aufgewachsen sind. Die Systeme, in denen wir leben, fördern keine Bewusstwerdung, sie fördern Selbstentfremdung. Mir gefällt hier die Bezeichnung von Ram Dass sehr gut: „Somebody training“ Wir alle wachsen auf und sind meist von Menschen umgeben, die glauben, dass sie das sind, was sie denken, dass sie sind und wir entwickeln meistens eine Person, ein Ich, der diesen Menschen, von denen wir umgeben sind gefällt, weil wir denken, dass wir dadurch gesehen werden, anerkannt werden oder geliebt werden. Das Gefühl, dass irgendetwas mit uns nicht stimmt und dass das, was wir vorgeben zu sein, sich eigentlich gar nicht gut anfühlt, lernen wir sehr früh zu unterdrücken, weil wir sonst eben nicht gesehen werden, Anerkennung bekommen oder gar nicht geliebt werden. Man könnte jetzt natürlich darauf eingehen, welche Beziehungen am meisten Einfluss auf uns haben, jedoch geht es mir jetzt in erster Linie um das Zustandekommen von dieser Taubheit zu uns selbst im Allgemeinen. Von Generation zu Generation wird überwiegend unbewusst übertragen, projiziert oder in irgendeiner anderen Form weitergegeben. Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist meistens eine sehr unrühmliche Aufgabe und sie bedarf unglaublich viel Mut und Stärke, denn man muss lernen mit sich alleine klarzukommen und bei sich selbst hinzuschauen. 

Ohne Schmerz gibt es keine Bewusstwerdung. Menschen tun alles, egal wie absurd, um ihrer eigenen Seele nicht zu begegnen. Man wird nicht erleuchtet, indem man sich Figuren aus Licht vorstellt, sondern indem man sich die Dunkelheit bewusst macht.

«C.G.Jung 

Dieses Zitat dürfte sehr gut erklären, warum wir uns lieber in Situationen halten, bei denen wir tief im Inneren vielleicht noch spüren, dass es uns nicht mehr gut tut. Weil wir Angst haben und egal wie absurd, wir alles tun, um diesen Ängsten zu entkommen. Menschen bauen ganze Leben darauf auf und verlieren mit jedem Tag noch mehr das Gefühl zu sich selbst. Irgendwo in uns ist eine gewisse Stimme, die zu uns spricht, ein Gefühl, das uns leiten kann, zumindest tut es das wie eingangs erwähnt, wenn es darum geht, bei anderen zu beurteilen, was vor sich geht. Auch wenn es oft sehr verwirrt sein kann, es gibt sie, die innere Stimme, das Gefühl, das uns lenken kann, wenn wir darauf hören wollen, wenn wir bereit sind zu fühlen und uns unseren Ängsten zu stellen. Erich Fromm sprach auch von einer gewissen Verkrüppelung der Seele, einem fast irreversiblen Stadium, das Menschen erreichen können, wenn sie ein Leben lang ihre innere Stimme unterdrückt haben und eigentlich auf eine Art seelisch tot sind. Oft ist es aber auch ein Unfall oder eine Krankheit, Angstattacken oder Zwangsneurosen, starke Süchte, Yoga oder eine psychedelische Erfahrung, die eine Bewusstseinsveränderung einleitet und somit den Prozess der Bewusstwerdung in Gang setzt. Es gibt keine Abkürzung, jedoch lohnt sich die Reise. Man lernt zu spüren, zu vertrauen und zu lieben. Das sind Grundlagen für ein erfülltes und glückliches Leben. Der Mensch rückt etwas in sein Bewusstsein, dadurch wird die Entwicklung der Fähigkeit zum bewussten Denken, Fühlen und Spüren erlangt. 

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Mario Feurstein

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Ich bin ein leidenschaftlicher Idealist und versuche meine persönliche Lebensphilosophie zu finden, indem ich mich unter anderem dem Schreiben widme. Wenn du mehr über mich erfahren willst, klicke einfach auf "über mich" im Menü!

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